Konzept · SOP-Beispiel
SOPs für Physician Assistants im klinischen Alltag
Strukturierter Vorschlag zur Etablierung rollenspezifischer Standard Operating Procedures für Physician Assistants, exemplarisch an der Notaufnahme bei Verdacht auf Myokardinfarkt.
Warum eigene SOPs für PAs
In vielen Kliniken ist die Rolle der Physician Assistants noch im Aufbau. Eindeutige Strukturen, welche Aufgaben in welcher Tiefe übernommen werden, fehlen häufig. Das führt zu drei typischen Mustern: Unterforderung (PAs werden faktisch als Stationsassistenz eingesetzt), Überforderung (delegierte Tätigkeiten ohne klare Rückkopplung) oder Konflikt mit Pflege und Assistenzärzteschaft aufgrund unklarer Abgrenzung.
Klare, bereichsbezogene SOPs schaffen Prozesssicherheit, Rechtssicherheit und Transparenz , für PAs selbst, für die ärztliche Letztverantwortung, für die Pflege und für die Patient:innen.
Was eine PA-SOP regeln muss
- Indikation und Setting, in dem die SOP gilt (z. B. Notaufnahme, Tagesklinik, hausärztliche Akutsprechstunde).
- Klar abgegrenzte PA-Tätigkeiten, inklusive expliziter Aufzählung dessen, was nicht delegiert ist.
- Eskalations- und Rücksprachekriterien („Bei X immer Arzt-Rücksprache“).
- Dokumentations- und Co-Sign-Standards.
- Schulungsvoraussetzung und Logbuch-Nachweis vor Erstausführung.
Beispiel: Notaufnahme, V. a. Myokardinfarkt
Die SOP regelt das Vorgehen vom Erstkontakt bis zur ärztlichen Übernahme. Konkrete PA-Schritte:
- Strukturierte Erstaufnahme und qualifizierte Triage nach lokalem System.
- Definierte diagnostische Schritte: 12-Kanal-EKG, Blutentnahme inkl. Troponin, Vitalparameter, fokussierte Anamnese (SAMPLER, OPQRST).
- Delegierbare Akutmaßnahmen: O₂-Gabe nach Vorgabe, i. v.-Zugang, Schmerzskala, Befunddokumentation.
- Strikte Abgrenzung zu ärztlichen Entscheidungen: Diagnosebestätigung, Indikation Herzkatheterlabor, Therapieentscheidung, invasive Intervention.
- Strukturierte Übergabe an das ärztliche Team inkl. ISBAR-Format und EKG-Beschreibung.
Top-down vs. bottom-up
Die Praxisfrage: SOPs vom Chefarzt vorgegeben oder im Team erarbeitet? Erfahrungsgemäß funktionieren bottom-up entwickelte SOPs nachhaltiger, weil sie die tatsächlichen Reibungspunkte adressieren. Sie brauchen aber eine top-down freigegebene Form, damit sie im Streitfall trägt. Beides zusammenzubringen, das ist die eigentliche Implementierungsleistung.
DiskussionOriginalbeitrag auf LinkedIn
















